Verkehrsunfall im Ausland

 

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Ungewohnte Verkehrssituationen, Interessantes am Straßenrand, schnell ist es passiert und es hat im Ausland gekracht. Jetzt nicht die Nerven verlieren und wenigstens jetzt besonnen handeln:

Allgemeine Grundsätze

Auch bei scheinbaren Bagatellunfällen ist es meist besser, Polizei hinzu zuziehen, in vielen osteuropäischen Ländern ist es sogar Pflicht. Bei Personenschäden in jedem Fall. Lassen Sie sich in jedem Fall eine Unfallbestätigung aushändigen und verlangen Sie eine Kopie des Unfallberichts.
Der "Europäische Unfallbericht" muss von allen Unfallbeteiligten ausgefüllt und unterschrieben werden. Wichtig: Unterschreiben Sie nicht etwas, was Sie nicht verstehen oder gar nicht lesen können, weil sie die Sprache nicht verstehen!
Will man nach einem Autounfall im Ausland Schadensansprüche geltend machen, so ist dringend zu empfehlen, nur einen im Unfallland zugelassenen Rechtsanwalt zu beauftragen. Bei Sachschäden muss man auch noch einen deutschen Anwalt hinzuziehen, da man ja meist noch mit Versicherungen zu tun bekommt.

Unfallort absichern

Nach dem Anhalten Warnblickanlage anschalten, Warndreieck aufstellen und sich sofort nach Unfallzeugen umsehen und diese Zeugen bitten, am Unfallort zu bleiben.

Erste Hilfe leisten

Notarzt/Rettungsdienst und Polizei anrufen (oder noch besser anrufen lassen) und sich sofort um die Verletzten kümmern.

Beweise sichern

Sichern Sie soviel wie möglich eigene Beweise am Unfallort. Anschriften der Unfallbeteiligten und der Zeugen notieren. Adresse der Versicherer der Unfallfahrzeuge ermitteln, weil im Ausland häufig nicht aus dem Autokennzeichen zu ermitteln ist, wer der Versicherer ist.
Unbedingt Unfallstelle aus möglichst vielen Perspektiven fotografieren, dabei Verkehrszeichen, Bremsspuren und ähnlichem achten. Schäden an den Fahrzeugen ebenfalls aus mehreren Richtungen fotografieren.
Mit Vorsicht zu genießen: Es kann durch aus sinnvoll sein, auch die Unfallbeteiligten im Bild festhalten. Das ist dann hilfreich, wenn sich herausstellt, dass Unfallbeteiligter und Halter des Fahrzeuges nicht identisch sind (oder gar das Auto geklaut war). Auch lässt zerrissene Kleidung auch gewisse Rückschlüsse auf mögliche Verletzungen zu.

Zum Arzt gehen

Auch scheinbar harmlose Verletzungen von Polizei protokollieren lassen und anschließend einen Arzt möglichst am Unfallort (in jedem Fall im Unfallland) aufsuchen und ärztliches Attest ausstellen lassen. Ausländische Versicherungen erkennen nachträglich in Deutschland ausgestellte Atteste meist nicht an.



Schadensregulierung

Schon im Unfallland muss man an die Schadensregulierung für zu Hause denken. Am Besten mit Versicherer sofort Kontakt aufnehmen.

  • Totalschaden
    Droht ein Totalschaden ist Kontakt mit Versicherer besonders wichtig, weil die Rücktransportkosten besonders hoch sind. Von Versicherung anerkannter Sachverständiger muss das prüfen, damit eventuell gleich Verschrottung vor Ort eingeleitet werden kann. Sie könnten auf den Transportkosten sitzen bleiben, wenn ein Totalschaden erkennbar war, denn Sie haben die Pflicht, die Schadenskosten minimal zu halten.
  • Reparatur vor Ort
    Hier gilt auch der Grundsatz: Erst Rücksprache mit Versicherer, denn es könnte sein, dass der Versicherer erst einen Gutachter einschalten will.
  • Schadensregulierung selbst
    Als Geschädigter müssen Sie selbst die Schadensersatzansprüche geltend machen. Da das im Ausland recht kompliziert sein kann und oft lange dauert, solle man hier einen Experte (meist Rechtsanwalt für Verkehrsrecht einschalten. Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung ist hier recht sinnvoll, die aber auch fürs Ausland gelten muss.
    Nehmen Sie keinen Anwalt, müssen Sie Ihr Anspruchsschreiben in der Sprache des ausländischen Versicherers einreichen. Schicken Sie alle Unterlagen (Unfallskizze, Fotos, Rechnungsbelege) per Einschreiben mit Rückschein. Senden Sie aber nur die Kopien. Originale müssen Sie als Beweis für ein mögliches Verfahren bei sich behalten.
    Müssen Sie Schadensersatzansprüche gegen eine Person einreichen, weil es keine Versicherung gibt, nehmen Sie in jeden Fall einen Rechtanwalt!
  • Schadensrecht
    Es kommt immer das Schadensrecht des Landes zur Geltung, in dem auch der Unfall stattfand. Deshalb fallen häufig Schadensersatzansprüche (besonders bei Personenschäden) im Ausland häufig sehr niedrig an. Es kann daher sinnvoll sein, die eigene Vollkaskoversicherung zur Schadensregulierung hinzuzuziehen. Problem ist dann aber, dass Sie den Rückstufungsschaden von der ausländischen Versicherung nicht ersetzt bekommen. Hier gilt es klug zu kalkulieren.

Bußgelder im Ausland

Bei Bußgeldern im Ausland gibt es ab Herbst 2010 wieder einiges zu beachten.

  • Ab 1. Oktober 2010 können Geldstrafen aus Verkehrsdelikten ab 70 Euro angefallen bei Verkehrsdelikten in EU-Ländern eingetrieben werden.

  • Das gilt auch, wenn das Delikt vor dem 1.10.2010 lag, aber der Bescheid erst nach dem 30.9.20010 rausging.

  • Fahrverbote in den anfallenden Ländern gelten aber nicht in Deutschland. Auch werden in Flensburg keine Punkte aus den Delikten im Ausland aufnotiert.

  • Sie haben ein Einspruchsrecht, wenn der Bußgeldbescheid in einer für Sie nicht verständlichen Sprache abgefasst wurde. Es sollte ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden.

  • Zwar können Bußgelder aus Nicht-EU-Ländern meist nicht in Deutschland eingetrieben werden, aber hier ist Vorsicht geboten! In den USA werden solche Daten akribisch gesammelt und bei der nächsten Einreise werden Sie nicht nur zur Kasse gebeten, sondern bekommen meist noch eine Einreisverbot aufgebrummt.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einige Tipps geben und wünsche, dass sie nie in so eine Situation geraten.

Hinweis:
Für die Richtigkeit der Angabe über nehme ich keine Gewähr, da sich auf diesem Gebiet zu schnell Änderungen ergeben können, und ich leider nicht immer auf dem Laufenden sein kann.

Letzte Aktualisierung: 29.09.2010

 

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